2018

BDS-Frühjahrswochenende 2018

15.-17. Juni 2018
in Fröndenberg an der Ruhr

Digitalisierung und Sozialwissenschaften

Digitalisierung ist in aller Munde. Zahlreiche Studien und Projekte beschäftigen sich mit der Umwälzung unserer Arbeits- und Lebenswelt, unserer Kommunikations- und Kooperationsweisen. Teilweise werden alarmierende Beschäftigungsprognosen in die Welt gesetzt, von denen nicht wenige, sofern sie ungeprüft und unkritisch auf deutsche Verhältnisse und Strukturen übertragen werden, Angst und Schrecken verbreiten.
Digitalisierung und ihr Niederschlag in der Gesellschaft ebenso wie in den Sozialwissenschaften waren das Hauptthema des Samstags. Benjamin Bonset (Vrije Universiteit Amsterdam) referierte zur Veränderung der Kommunikations- und Kooperationsformen in drei Startup-Firmen, Ragnar Heil (Megalogix, München) stellte die Work Out Loud-Plattform vor und wie sie zur Gestaltung der digitalen Transformation genutzt werden kann. Dr. Erich Behrendt (IMK Consulting, Recklinghausen) beschäftigte sich kritisch mit dem Marketingkonzept Industrie 4.0 der deutschen Industrie und skizzierte vor allem die Hindernisfaktoren zur Umsetzung dieses Konzepts.
Auf der Grundlage dieser Inputs entspann sich eine lebhafte Diskussion unter den rund 40 Teilnehmenden, die, wie beim BDS üblich, aus sehr unterschiedlichen beruflichen Perspektiven Schlaglichter auf das Thema setzten und eine Vielzahl von Anregungen zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema einbrachten.
Es wurde deutlich, dass die durch die Digitalisierung in wenigen Jahren verursachten Veränderungen in manchen Bereichen rasch und heftig, in anderen sehr langsam und schleichend vor sich gehen. Die Disparität der individuellen Betroffenheiten ebenso wie ihre Ungleichzeitigkeiten wurden als besondere Merkmale dieser Umwälzung transparent. Mit Blick auf die die schon eingetretenen Veränderungen, etwa durch das Internet und die sozialen Medien, wurde jedoch klar, dass uns das Thema noch lange beschäftigen wird. In vielen gesellschaftlichen Bereichen bieten sich vielfältige sozialwissenschaftliche Betätigungsfelder zur Gestaltung einzelner Bereiche. Dabei gebe es keine Standardlösungen. Allgemeiner Maßstab soziologischer Praxis könnten zum einen die Gebote der Menschenrechte und der Nachhaltigkeit sein, zum anderen die im Ethikkodex des Verbandes niedergelegten Prinzipien der Integrität und Objektivität.
Am Sonntagvormittag beschäftigte sich die Konferenz intensiv mit der Möglichkeit des Berufsverbandes, auf der Basis des gemeinsamen Ethikkodexes von BDS und DGS ein Commitment-Siegel nach dem jüngst vom österreichischen Berufsverband eingeführten Muster zu etablieren. Darüber hinaus wurden die Aussichten auf die Anbahnung eines Europäischen Berufsverbandes diskutiert.
Die Tagung bot daneben reichlich Raum für individuelle Kontakte. Gutes Wetter und hervorragende Bewirtung durch den Stiftskeller-Wirt und sein Team trugen dabei zu durchweg guter Stimmung und Laune bei. Wie immer wurden auch mehrere Jubilare für 30 und 35 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Eine rundum gelungene Tagung.

Text: Dr. Hans-Werner Franz, Dr. Matthias Horwitz

Programm pdf

Fotos: Dorothea Stein-Bergman, Berlin